Gestern wars schwer zu entscheiden zwischen der Kleingeldprinzessin und Milú.
Erstere bereits zweimal gehört, letztere noch nicht solo, lediglich in Form eines feuerwerkbekrönten Stadtfestabschlusskonzertes vor etwa fünf Jahren, welches ich ungeplant ungeküsst wieder heimwärts verlies, was dennoch wunderbar war, weil so die ungeküsste Spannung noch eine Weile anhalten konnte. Dass diese Weile dann Jahre überdauerte war auch nicht geplant noch erwünscht, aber nun. Es sei jedenfalls nicht Anke Hachfelds hypnotischer Stimme anzulasten.
Danke auch dem Veranstalter der mich, da ich jobbedingt nach Konzertbeginn kam ermässigt reinlies.
Wenn er wüsste, was ich wüsste, wäre ich mir sicher, dann würde sie so wenig sicher sein können, dass sie wüsste, er ist sich nicht sicher. Ich wäre mir immer noch gerne seiner sicher, so sicher er es zulässt.
Ob ich damit falsch oder richtig liege, liege, stehe, sitze, ist nur vorwärtslebend zu erfahren. Ob diesmal Denken besser als Tun oder Tun besser als Denken ist, kann man nicht wissen bevor man das Risiko beschreitet.
Nichts tun in dieser Sache ist in Anbetracht der anderen Tu-Stellen womöglich kurzfristig lebenswichtiger, dennoch gehört es in die Rubrik "Dinge, die ich bereue nicht getan zu haben." sollte ich es wirklich nicht tun - morgen oder Freitag.
Demnach: (noch lange nicht) abschliessend lässt sich sagen:
"Die Schnecken zeigen mit ihren Fühlern auf mich und schütteln ihren Kopf: Menschentempo!" und dennoch - weiter geht es, weil "Mein Denken ist wie ein Rad, das umfällt, wenn es sich nicht mehr dreht" und aus der Bewegung folgt: "Der Schluss-Strich war zu kurz. An beiden Enden geht es weiter." (und noch zweimal Rolf Dolbellis brilliante Klarheit - in "Turbolenzen - 777 bodenlose Gedanken")
Herrlich, ich überleb auch die miese Qualität der Aufnahme ...
Wenn ich dran denke, dass ich mit ihm, es muss 1991 gewesen sein auf dem Marktplatz einer Klitzekleinen Kreisstadt aufgetreten bin war eigentlich allen klar, dass er mal die großen Bühnen betreten wird. Und irrwitzig ist, wie genau man ihn wiedererkennt im Gestus. Nur die Intensität ist focussierter, größer. Verändert man sich wirklich so wenig? Und doch so viel?
Einige Menschen haben mir da - und schon früher immer wieder - gesagt, ich müsse auch da rauf. Unbedingt und so. Eine Weile dachte ich darüber nach, bewegte den Wunsch in my heart and soul, aber mal davon abgesehen, dass - wer auch immer dieses kleine "man" ist - wenn man in dörflichem Kontext in den 80ern aufwächst schlicht nicht Schauspielerin WIRD, wollte ich lieber selber was schaffen - und nicht bloss Erfüllungsgehilfe sein. Auch wenn mir viele großes Variantenreichtum bestätigten, Durchlässigkeit und Talent - und auch obwohl mir die Aufgabe Regie zu führen und eine Gruppe von Menschen zusammen zu etwas gemeinsamen Ansehlichen hin zu führen nicht fremd war und soviel Spaß machte, dass es als Beruf nahezu eine Unverforenheit gewesen wäre - so schreckte mich nachhaltig einfach ab, in der Branche eben kein Zuhause zu haben. Freundschaften, ganz zu schweigen von kontinuierlichen Beziehungen nur unter größten Anstrengungen pflegen zu können. Keinen örtlichen Fixpunkt zu haben. Und diese - später durchaus sehr oft selbst oder in unmittelbarer Nähe miterlebten - emotionalen Dauerachterbahnen zwischen absolutester Nähe der Beteiligten im Produktionsprozess zu stecken, sich wie beste Freunde zu fühlen, einfach weil man das Stück miteinander durchzieht und sich in kaum einem anderen Arbeitskontext so schnell intensiv kennenlernt wie beim gemeinsamer Rollenarbeit und vor allem hinter der Bühne - und danach festzustellen, dass auch das bloß ein "als ob" war - denn nach der Premiere ist vor der Premiere und aus den Augen aus dem Sinn stieben alle in verschiedenste Richtungen und the show must go on mit neuen besten Freunden, oft als-ob, selten längerfristig.
Es ist wunderbar dabei nahe dran zu sein. Ich freue mich immer noch bei jeder Premiere, die ich miterlebe und die Gänsehaut kurz bevor sich der Vorhang hebt geht sicherlich niemals ganz weg, weil ich weiss was das heisst. Und ich habs nicht nur überlebt nicht auf der Bühne stehen zu müssen, sondern finde das inzwischen auch wesentlich richtiger für mich hinter und nebendran Fäden zu ziehen. Und hoffe, dass ich das bald wieder darf. Oder meine Erfahrung zumindest anderwertig gewinnbringend einbringen kann.
Ach, mir fallen gleich noch ein halbes Dutzend Leute ein, mit denen ich zu gerne mal einen Kaffee trinken gehen würde wollen! Und wie die es überlebt haben?