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Dienstag, 13. Januar 2004

ein schlechter Verkäufer

der seine Sätze beginnt mit "vielleicht sollten Sie es mal ausprobieren".

"vielleicht sollte ich ... "

einfach mit dem nächstmöglichsten Typen etwas anfangen, einfach so. Ich meine, das machen die Typen doch auch. Probieren wie bei einer Weinprobe. Wenn er nicht schmeckt einfach der nächste. Bloß immer schön aufpassen, nie durcheinandertrinken."

Ein Prosit gestern mit zwei Kölsch nach einer dreiminutenanalyse meines derzeitigen Liebeslebens und der Diagnose daß ich mal wieder vier meiner Bekannten an die Liebe, die Hälfte sogar an die EX-Liebe, verschenken muß.

"Beziehungen sind nun mal wichtiger als Freundschaften, tut mir leid". Ich kann und will nicht mehr für alles Verständnis haben (genau, vollste Zustimmung an die großstadtneurotikerin) - ich laufe niemandem mehr nach. Stürzt euch doch in Liebschaften Affairen, Ehen oder andere Leben, ich bin weg wenn ihr mich brauchen solltet. Einfach weg. Bei mir.

EX. Auch so ein Begriff. Ich dachte ja immer: EX ist EX. Natürlich bis auf meinen letzten EX unmittelbar bevor diese Vorsilbe mir mein Leben schwergemacht hatte. Danach hatte ich erstmalig doch noch die Überzeugung, daß man die böse Silbe durchaus hätte wieder streichen können. Derselbige hat sich dann allerdings komplett aus meinem Leben geext. Und daß, wo wir doch so einig waren, daß wir zumindest immer Freunde bleiben. Dann glaubt man sich einmalig tragisch, allgemein, nicht personengebunden, mehr Situationsgebunden.

Und nebenbei: ist völlig fassungslos und erleichert zugleich obwegen der schlichten Allgemeinheit mit der es JEDEN trifft oder traf.

Nichts macht einsamer als alleine in einem Hotelzimmer noch dazu im Doppelbett fernzusehen, weil dort sonst nichts zu sehen ist außer angebissene Ritter-Sport-Schokolade, Cappuchino, auf dem sterilen Tisch, der im Nachbarzimmer garantiert genauso aussieht und an der gleichen Stelle steht. Die Schokolade, die einen mit extremer Süße einlullt - oder war es weil man zu heiß gebadet hatte und der Kreislauf genau jenes tat woher er seine Bezeichnung hat, nur daß er schneller ist als ich und der Kebap zuvor sich wohl auch nicht mit dem heißen Bad verträgt. Und auf dem gestärkten Kopfkissen neben deinem ruht die Erinnerung, frischherausgeputzt, mit Falten im Gesicht und wirft ein knarziges: "Weißt du noch ...?" in den Raum. Ein "Weißt du noch ...?" in Zusammenhang mit all den fiesen kleinen wunderschönen Details, die man schon wunderbar vergessen glaubte und jetzt nur noch betrachtet wie ein altes Fotoalbum, wo die transparenten Zwischenblätter über der Folienseite festkleben und das Foto verschwimmen lassen. Und wenn du genau hinschaust hat die Erinnerung ganz schöne Falten unter den Augen und ist erschreckend alt geworden. Und schweigt auch schon wieder schnell und still. Fein still.

Ohne eigenen Soundtrack unterwegs zu sein, die Stille hier in der Nummer 614 - neben der 612 versteht sich - also eigentlich die verkleidet-berüchtigte Nummer 13 - diese Stille der eigenen Erinnerungen kann nur ein Fernsehprogramm überflimmern. Erinnerungen an meine letzten Nächte in Hotels. In Amsterdam. In Düsseldorf oder Wiesbaden. TILT.

Schwere Träume, mein Gehirn selbst im Traum brilliant logisch, erfindet es eine unglaubliche Schnulzenstory darüber was in meinem Freundeskreis hinter meinem Rücken passiert ist, was ich nicht mitbekam und warum ich jetzt, Anfang 2004, unter Einsamkeitsanfällen leide, die sich anfühlen, wie morgendliche Übelkeit in der Schwangerschaft. Komisch. Kurz. Voller Erwartungen auf etwas unbekanntes. Ganz auf sich alleine gestellt.

So nicht:
"Was hat Ihre Anfänge geprägt, ich konnte nirgendwo etwas finden über die Jahre 2001-2003 ... ?"
"Ich auch nicht."

oder so:
"OK - zunächst einmal herzlichen Glückwunsch - dann erzählen Sie doch mal: wie fing das eigentlich alles an ... ?"
"Also, als ich 2004 ..."

dann fangen wir mal an ... und wenn ich wieder mal rechts und links gucken sollte, auf all die, die es im letzten Jahr geschafft haben - ihr stellvertretenden Chefredakteure, Filmschauspieler, Autoren und Talkshowherumgereichten, zu zweifelhaftem Ruhm gekommene ehemalige Kommilitoninnen, Vortragsreisende und Stückepreisgewinner, Stipendiaten und Promovierte, Juniorprofs und Agenturgeschäftsführer, dann - ja - wer setzt mir dann die Brille mit den Scheuklappen rechts und links auf, damit ich vorwärts gucke und wer klatscht in die Hände und ruft: vorwärts, auf gehts!

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