Montag, 9. Februar 2004

Heute back ich. Morgen brau ich. Und übermorgen ...

kündige ich.

"Darf ich Sie kurz stören? Ich habe eine Frage."
"Sie stören ja jetzt schon. (grummelige Pause) Jahaaa - was ist?"
"Mich würde sehr interessieren, ob ich eine Liste haben kann um blahblahblah... damit ich xyz schneller leichter besser einfacher einschätzen kann und ich weiß was wir hier können und was eher schwierig anzubieten ist."
"Hehehe ... Nenene. Die gibts nicht. Da können Sie noch tausendmal fragen. Die kriegen Sie nicht." (bitte? ich habe zum ERSTEN Mal gefragt!)
"Aber Herr Kaiser, mich interessiert es - ohne daß ich das den Kunden erzählen werde - was hier im allgemeinen am meisten nachgefragt wird und - "
"Nein. Nein. Nein. Das geht so nicht. Wissen Sie überhaupt was Ihre Aufgabe ist?"(bitte? noch nie nie nie wurde mein Interesse so derart abgeschmettert, herrgott nochmal ich bin zwar jetzt schon vier Wochen in dieser Firma, aber daß Fragen stellen so verpönt ist! außerdem: solche Fragen kann er seiner Tochter stellen: "Sag mal, weißt du eigentlich wann ich dir gesagt habe, daß du zuhause sein sollst???")
"Ja, sicher!" (Im Gedanken lege ich ihm eine Reiszwecke auf seinen Stuhl. Umgekehrt versteht sich.)
"So. Was IST denn ihr Job?" (Ach was: eine ganze Handvoll.)
"Mein Job ist es, die Sache xyz den Kunden und potentiellen Kunden schmackhaft zu machen." (immer schön natürlich l ä c h e l nnnnnn)
"Ihr Job ist es ZU VERKAUFEN, ja?"
(unterwürfiges nicken)
"Und Sie werden nicht an dem was Sie wissen gemessen, sondern am Umsatz!"
"Ich möchte gerne zusätzlich verstehen, damit ich nicht etwas anbiete, was es gar nicht gibt!"
"Das spielt keine Rolle. Wir können ALLES. Erst mal. Es ist besser die Kunden fragen zu lassen und dann zu suchen und dann können wir immer noch nein sagen als von vorneherein nein sagen."
"Ich möchte allerdings ehrlich sein und nicht das Gefühl haben ich verspreche das blaue vom Himmel." (Oh my god, Catherine, wie naiv bist du eigentlich - Werbung ist IMMERimmerimmer nur blauer Himmel, perfektes Glück, photoshopretuschiert!)
"Nein, dieses Wissen würde Sie nur blockieren im Verkauf. Vertrauen Sie mir. Das sind Erfahrungswerte. Und: achten Sie auf Ihre Quote!"

sprachs und entsendete mich wieder in mein einsames Büro. Wichtig: Türe zu, damit bloß jede Sekunde genutzt werden kann (die Quooooooooooteeeeee)!

Dienst nach Vorschrift. Beginn um Punkt acht. Nicht um 4 nach und erst recht nicht um 7 nach acht. ("Wenn wir eine Stechuhr hätten wäre das ja was anderes") Daß diese Methoden möglicherweise bei der Bundeswehr nützlich sind - wo er herkommt, mein Chef - nicht aber in einem vom ersten Eindruck her sehr sympathischen Unternehmen kann ICH ihm nicht zur Last legen. Es ist - wie beruhigend - auch nur noch eine Frage der Zeit. Drei Wochen.

„Ich fand dich ja mal ziemlich interessant“ ...

... sagte sie und lachte mit nur einem hochgezogenem Mundwinkel. „Fand ...“ sagte er ohne daß sie in der Lage gewesen wäre ein Fragezeichen oder einen Punkt herauszuhören.
Ob das klang wie ein Eingeständnis mal verliebt gewesen zu sein fragte sie sich später.
Verliebt. Ein bischen vielleicht? Oder ganz kurz? Zu kurz um mit den Wortfunken ein Herz zu entfachen. Ihr Herz zu entfachen. Schade, daß es nicht übersprang. Wie gut daß es kein Feuer entfachte, das zu löschen nun brennen würde.

Zu dem brennend heißen vorgestrigen Samstagabend später.
Meine Küche riecht übrigens immer noch nach Frittenbude.
Das vorher/nachher Bild errspare ich euch, da ich das vorher Bild nun nicht mehr machen kann.

Doch so ungefähr mag es ausgesehen haben wie bei

spoerri


Daniel Spoerri, Tableau-piège: Restaurent de la City-Galerie, 1965, 82x82cm, Collection Helga Hahn, Cologne.

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