Poems for Laila - "Frühstück in Budapest"
Saturn, Kopfhörer auf den Ohren und es läuft "Poems for Laila" - "Frühstück in Budapest"
Element of Crime hat das Kunststück vollbracht: auf deutsch besser zu klingen als auf englisch, noch dazu mit Trompete und Akkordeon. Polkaeskes Originalität abzugewinnen und dabei unglaublich relaxed zu klingen gelingt Poems for Laila leider nicht mehr.
"Und ich fahre durch die Straßen und ich suche nach dem Glück" solche Zeilen darf Blumfeld schreiben, doch selbst die nicht ungestraft von genervten Rezensenten. "Alles wird gut" wie einer der Titel mit Reimen, die nicht aufgehen; möchte man Nikolai Tomas entgegenrufen, der selbst stimmlich an Attraktivität verloren zu haben scheint auf deutsch. Die Grenze zwischen genial-einfach und schlicht platt ist eine schmale, zu häufig tritt er daneben, vor allem wenn dazischengerufene "Yeah"s auch nichts daran ändern, daß Lieder wie "Arsch aus Berlin" mit dem vielsagenden Refrain "Du weißt" klingt wie schlecht übersetzt. "I know" übrigens eines der erfolgreicheren Stücke der "Another poem for the 200th century". Anne de Wolff hat hier eine Piepsstimme, obwohl sie mehr kann, wie sie früher schonmal bewiesen hat als mehr als "nur" die back-Stimme von Poems for Laila. Spekulationen über private Liaisons, die beruflich befruchtend wirken und die zu mehrfachem Auswechseln der Sängerinnen neben Nikolai Tomas führten seien besser hintenangestellt. Auf dem Cover grüßen sie dann auch noch Calexico, den Freundeskreis und Rosenstolz, alles sehr schöne Bands, doch diese wissen mit der deutschen Sprache umzugehen und Songs wie "Suche nach dem Glück" liessen mich kopfschüttelnd in den Hörer hineinkriechen, genauso kopfschüttelnd wie bei den ersten Takten der "Jenseits von Jedem" von Blumfeld:
Stehen zwei an der EckeZieht dich gar nichts an
Rauchen eine Zigarette
Ziehen vorne dran
Kommt ein alter Türke
Mit Feuer in der Hand
Kriegt eins auf die Schnauze
Ist aus einem andern Land
Und ich fahre durch die Straßen
Und ich suche nach dem Glück.
Bitte nocheinmal! Möchte man da rufen und nur ein Song, etwas später auf dem Album, schafft es ins Ohr und in die Beine und wenn auch einer zu wenig ist die ganze Platte gut zu finden, so versöhnt er doch mit den restlichen Stücken aus denen nur "The sun is on the roof" (ja, sie können noch englisch) und die wunderbare Valse mit Musette (Annes Song) hervorzuheben sind als die Poems for Laila, die dennoch alleine durch die markante warme Stimme von Nikolai Tomas und die zugleich träge wie treibende Musik - unverkennbar eigen bleiben. Bei Annes Song, ohnehin instrumental und bei "The sun ist on the roof" ist der Text unwichtig; wichtig ist die Stimmung, wie in einem Berliner Lokal, das gerne französisch oder russisch sein möchte, wo ein Herr Lehmann hinter dem Tresen lebt und irgendeiner auf die Idee kommt, spätnachts wo alles gesagt ist, mit seinem fremden Gegenüber mehr nacht- als alkoholberauscht nicht nur das letzte Bier sondern auch ein Geheimnis zu teilen, was man so noch nie jemandem erzählt hat.
Zuvor hat man jedoch beschlossen, sein Leben umzugestalten. Und "Umgestalten" ist der Song der alles herausreißt. Der Song hat Konzertpotential, man sieht klatschende und hüpfende Menschen, glückliche Gesichter, Schmunzeln. Wie er von den Frühstücksterroristennestern und milchkaffeverklebten Mündern singt, die von der letzten Nacht protzen hat in seiner leise wütenden Ironie etwas liebenswertesMan denkt an "Bring den Vorschlaghammer mit" von Element of Crime. Zeit das Alte loszulassen steht symptomatisch über den letzten beiden CDs der Poems, die etwas unentschlossen scheinbar mal Pop mal ein bischen Elektronik ausprobieren und so sehr das Neuerfinden einem Vorwärtstsreben gleichkommt wünsche ich mir in jenem Fall: Schuster bleib bei deinen Leisten!

