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Sonntag, 11. Juli 2004

Ich hätt mich gern anders vorgestellt

... als mit banalen Antworten in Wiederholungen verpackt, hoffend, daß es keiner merkt und ganz deutlich gemerkt, dass sie es merken und es mir nicht anmerken lassen wollen.

Ich hätte mich Ihnen gerne anders vorgestellt; anders als eine Diplomandin, die sich genau auf die Themen nicht vorbereitet habt, die ihr zu Frage brachtet. Ich hätte diese Stelle zu gerne gehabt, denn ich spürte Ihre Neugier. Ich war zu nervös. Und zu geplättet von Ihren Begeisterungsstürmen und Bedauern über das Weggehen jener Vorgängerin, die jene Stelle nun frei macht.

Sie haben sich nicht gemeldet, wie das so ist, wenn man von sich aus nicht "Nein" sagen möchte. Nächste Woche werde ich bestimmt meine Unterlagen zurück erhalten.

Romantische Umwege

Ein Mädchen, die kein Mädchen mehr ist, schrieb gerne Zettel mit persönlichen Bemerkungen, die sie überall in der Stadt verteilte. Nicht wahllos, nur wenn sie etwas sah, was sie an ihn erinnerte. Sie liebte es Autos zu beobachten, die so aussahen wie seines und Roller, ja, vor allem Roller. Wenn sie jemanden erschnupperte, der das gleiche After-Shave benutzte klebte sie ihm am liebsten ein Post-it auf den Rücken kleben und markierte ihn unbemerkt.
Sie faßte Klingelknöpfe an auf denen längst andere Namen standen und fragte den Mieter wie es sich anfühlt hier zu wohnen. Sie schaute in die Müllcontainer und suchte überall Spuren zu entdecken. Wenn sie keine fand legte sie selber welche. Post-its mit Zitaten von Kästner oder Tucholsky.
Gedächtnispflege nannte sie das und es war wie Zähneputzen.
An-denken an Blätter, die zerschreddert in irgendwelchen Papiercontainern unkenntlich zerrottet. Endlos.
Zuletzt klebte sie einen Zettel an ein Fahrrad mit einer kryptischen Botschaft. Das Fahrrad könnte seines sein, es stand in der Nähe dessen wo sie seine Wohnung wußte, und das auch nur ungefähr. Es verschwand morgens früh und stand plötzlich wieder da und das aobwohl sie genau aufpasste an einer Stelle hinter Glas wo der Fahrer vorbeikommen müßte. Und doch verpasste sie es immer. Er würde ihre Handschrift erkennen, sie hatte keine Nummer hinterlassen. Er hätte sie bestimmt noch - doch auch das wußte sie nicht mit Bestimmtheit. Falls es überhaupt sein Fahrrad war, welches einen Tag später nur noch Klebereste ihres Zettels zierte. Wäre er es würde er sich erinnern. Ob er sich melden würde hinge von vielen Faktoren ab. Vielleicht war es nicht sein fahrrad. Vielleicht hatte seine Freundin das Rad gefahren und den Zettel abgrissen, ihn ihm lachend und spöttelnd gezeigt mit nicht eingestandener Eifersucht ihn ihm vielleicht gar nicht gezeigt. Vielleicht hat er sich geärgert über diesen fiesen Kleber, der durch den Regen eine klebrige Melange mit dem Handgriff eingegangen war und die Zeit die er mit Abrubbeln verbringen würde. Sie liebte das Spiel mit dem Zufall um ihre Gedanken füllen zu können mit einer paradoxen Sehnsucht an Irgendwen solange es keinen Bestimmtenwen gab.

Soundtrack: Lover I don't have to love - Bright Eyes

... inspiriert von Haruki Murakami, gerade mich zum x. Mal an "Eines schönen Morgens im April als ich das 100%ige Mädchen sah" begeistert, nachdem ich letzte Woche "Sputnik Sweetheart" nahezu verschlungen habe - verdammt, so möchte ich schreiben können! Ich möchte vor allem Schlüsse schreiben können! Doch dazu muß ich zuerst einmal anfangen!

Manchmal wünsche ich mir Gelegenheiten

Gelegenheiten, die die Dinge wie zufällig erscheinen lassen. Sagen zu können: es ist einfach so passiert. Es hat geregnet und ich hatte keinen Schirm. Die Ampel wurde rot und er zog mich an seiner Hand über die Straße. Die letzte Bahn war weg.

Dabei sind die Wege hier zu kurz. Und das Verkehrsmittel Fahrrad ist kein gelegenheitsförderndes Mittel auf dem Weg dahin.

Und dann, dann frage ich mich: wann bin ich endlich alt genug, um zuerst zu sagen: Du, ich möchte hierbleiben, diese Nacht.

Ichmag die Romantik der blumigen Umwege. Leider sind es allzuoft solche: Um Wege zu finden ist Ortskenntnis eine erleichternde Voraussetzung. Doch: ich kenne dich kaum. Und: Wünschen ist das eine, tun das andere.

Du wirst das hier lesen können, mir eine Mail schreiben und sagen: du, das hier habe ich zufällig (!) irgendwo im Netz gefunden. Seltsam-schön, nicht? Oder: "Kennst du das?" würdest du fragen und ich wüßte nicht, was du genau damit meinst. Es wäre eine Gelegenheit.

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ideenjonglieren "at" web (dot) de

Also ich finde ...

 

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Hellmut Lützner
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