Wenn ich sowas sehe, frage ich mich immer folgendes:
Ob da der Grafiker unter Wissen aller Beteiligten zweimal Geld bekam von den Großen - nämlich Kiepenheuer und Witsch als Buchcoverdesigner und hp für den Entwurf einer Webanzeige?
Oder ob es dem Anzeigendesigner überhaupt nicht aufgefallen ist, dass seine Idee, die er da im Hinterkopf hatte bereits realisiert wurde von jemand anderem? Wissen die beiden voneinander?
Mir ging es ja auch einmal so und ich habe ein Zeitschriftencover entworfen, von dem ich überzeugt war, dass es rundum meine Idee war. In seiner bildnerischen Umsetzung handelte es sich dabei um eine naheliegende Idee, nämlich eine Broschüre für den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) über ein Ausländisches Austauschprogramm mit einer Covercollage zu versehen, die im wesentlichen aus einem Mosaik von Portraitaufnahmen der Stipendiaten bestand, die einen Doktorhut formten. Und der typische Faden jenes Hutes bestand aus Buchstaben und endete in einem typographischen Bommel.
Genau jenes Element - der Doktorhut mit dem typographischen Bommel - war nun etwa 3 Jahre zuvor auf einem preisgekrönten japanischen Plakat im ADC-Jahrbuch - die Preisträger des Wettbewerbes des Art Directors Club International. Da ich durchaus jene Bücher mal durchblättere, wenn mir eines in die Hände gerät - die sind exorbitant teuer - kann es sogar sein, dass ich das in meinem Unterbewußtsein gespeichert habe. In einer länger zurückliegenden Präsentation meines Portfolios und jener DAAD-Arbeit nun zeigte mir ein Art Director nun genau jenes ADC-Jahrbuch - "Kennen Sie das?" und ich war völlig verblüfft und betete, dass er mir meine Verblüffung auch abnahm.
So sehr "Das habe ich nicht gekannt/gewußt!" da juristisch vermutlich ziemlich fragwürdig und unhaltbar erscheint war das genau mein Gefühl bei der Sache! Und ein bischen peinlich war es mir auch. Und peinlich, dass es mir peinlich war, denn ich wußte: meinem Unterbewußtsein könnte ich diese Schuld nicht anlasten - oder doch?
Andererseits: aufgrund der Fülle der vorhandenen grafischen Entwürfe ist es schlechterdings möglich genausoviel Zeit für einen Entwurf wie für den Vergleich mit bereits vorhandenem aufzuwenden. Zumal es sich ja nun nicht um ein international eingesetztes Markensignet handelte, sondern um eine bloße visuelle Idee.
Den Juristen, die diese Grenzen zu entscheiden haben wünsche ich eine faire Hand!
Ideenjongleur - 16. Jun, 16:29