Festgelesen in
Philip Roth: Täuschung
“Was pssiert, wenn er dich fragt, woher du den blauen Fleck an deinem Schenkel hast?”
„Hat er schon“
„Ach. Und?“
„Ich habe die Wahrheit gesagt. Ich sage immer die Wahrheit. Auf die Weise wirst du nie bei einer Lüge ertappt.“
„Was hast du gesagt?“
„Ich habe gesagt: „Dieser blaue Fleck stammt aus einer stürmischen Umarmung mit einem beschäftigungslosen Schriftsteller in einem Wohnhaus ohne Fahrstuhl in Notting Hill.“
„Und?“
„Es klingt albern und man lacht.“
„Und du bewahrst dir die Illusion, daß du eine ehrliche Frau bist.“
„Genau“
„Du sagts nicht viel. Du sagst kaum etwas, wenn ich hier bin, ist dir das klar?“
„Ich höre zu. Ich höre. Ich bin ein ecouteur – ich bin audiophil. Ich bin ein Gesprächsfetischist.“
„Hmmm. Wirklich erotisch, einfach so dazusitzen und zuzuhören.“
„Eigentlich nicht so merkwürdig.“
„Nein?“
„Denkst du ernstlich daran, aus dem Fenster zu springen?“
„O ja.“
„Oft?“
„Häufig.“
„Und was hält dich davon ab?“
„Es ist nicht so, daß ich sterben will, es ist so, daß ich leben will – besser leben. Ich will, daß das Leben besser wird, und also mache ich mir klar, daß ich lieber noch ein wenig länger am Leben bleibe.“
“Was pssiert, wenn er dich fragt, woher du den blauen Fleck an deinem Schenkel hast?”
„Hat er schon“
„Ach. Und?“
„Ich habe die Wahrheit gesagt. Ich sage immer die Wahrheit. Auf die Weise wirst du nie bei einer Lüge ertappt.“
„Was hast du gesagt?“
„Ich habe gesagt: „Dieser blaue Fleck stammt aus einer stürmischen Umarmung mit einem beschäftigungslosen Schriftsteller in einem Wohnhaus ohne Fahrstuhl in Notting Hill.“
„Und?“
„Es klingt albern und man lacht.“
„Und du bewahrst dir die Illusion, daß du eine ehrliche Frau bist.“
„Genau“
„Du sagts nicht viel. Du sagst kaum etwas, wenn ich hier bin, ist dir das klar?“
„Ich höre zu. Ich höre. Ich bin ein ecouteur – ich bin audiophil. Ich bin ein Gesprächsfetischist.“
„Hmmm. Wirklich erotisch, einfach so dazusitzen und zuzuhören.“
„Eigentlich nicht so merkwürdig.“
„Nein?“
„Denkst du ernstlich daran, aus dem Fenster zu springen?“
„O ja.“
„Oft?“
„Häufig.“
„Und was hält dich davon ab?“
„Es ist nicht so, daß ich sterben will, es ist so, daß ich leben will – besser leben. Ich will, daß das Leben besser wird, und also mache ich mir klar, daß ich lieber noch ein wenig länger am Leben bleibe.“
Ideenjongleur - 8. Mrz, 00:49


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