Wie lange will ich eigentlich noch darüber Kotzen?
Aus der Berliner Morgenpost vom 1.10:
Freiberufliche/r Grafiker/in gesucht! 20h/Woche, € 600,-/Monat für T-Shirt Label in Falkensee. Bewerbung mit Foto an bw@shirt66.de
Wetten, dass selbst die so um die 200 Bewerbungen erhalten werden?
Ja, ich habe es inzwischen kapiert: ich habe den falschen Beruf. Die falsche Ausbildung. Das falsche Studium. Alles für die Katz. Der ganze zielstrebige Lebenslauf für den Arsch. 5 Monate ALG2 und ich bin mürbe. ALG2 ist sowieso ein Stigma - außer in der Kunstszene und für hoffnungsfrohe Kulturschaffende, weil die dir dann einen 1 EUR-Job bieten könnten. Ich habe nie so intensiv wie in den letzten Wochen erlebt, dass das freie Outing - und ich bin nunmal ein offener Mensch - als länger-als-2Monate-ALG2-Empfänger definitiv Menschen, die ich neu kennenlernen will, abstößt. Mich kotzt es an, dass mich das ankotzt.
Ich muß das jetzt einfach mal so hier hinausrufen. Das Schlimme ist ja, mit dem zielstrebigen Lebenslauf glaubt mir ja kein Schwein, dass ich jetzt "was anderes" machen wollen täte. Vor allem: WAS anderes? Die wenigen Optionen, die mich in der letzten Zeit soviel Mühe gekostet haben, bewegen sich auf ähnlichem Preisniveau, sofern man überhaupt über Geld spricht.
In der Zeitschrift "Junge Karriere" findet es sich im Leitartikel: "Und was verdient ihr?", auf Seite 142 unter dem Stichwort "Dumpinglöhne" schwarz auf weiß: "Kommen vor, sind aber kein Massenphänomen, sondern eher abonniert auf bestimmte Branchen. Grottig gezahlt wird bei Architekten Juristen und Werbeagenturen." Nun überrascht mich das für die Juristen sehr und zwingend muß ich auch nicht auf Dauer in eine Werbeagentur, das kommt halt auf das Betriebsklima drauf an. Aber ab wann ist es genug? Genug des erfolglosen Probierens und an der Zeit was GANZ ANDERES zu machen? Loszulassen?
Denn: loslassen ist ohnehin so verdammt schwierig und nochmal eine ganze Nummer schwerer, wenn du dich damit mental in ein absolut zielloses Nichts stürzen mußt.
Also - auf WAS umschulen? Umlernen und nochmal für ein Lehrgeld von 600 EUR im Monat neu laufen lernen? Na, wunderbar, dann kann ich mich doch gleich den Dumpinggeiern zum Fraß vorwerfen und mich auf die Anzeige oben bewerben, nicht wahr?
Freiberufliche/r Grafiker/in gesucht! 20h/Woche, € 600,-/Monat für T-Shirt Label in Falkensee. Bewerbung mit Foto an bw@shirt66.de
Wetten, dass selbst die so um die 200 Bewerbungen erhalten werden?
Ja, ich habe es inzwischen kapiert: ich habe den falschen Beruf. Die falsche Ausbildung. Das falsche Studium. Alles für die Katz. Der ganze zielstrebige Lebenslauf für den Arsch. 5 Monate ALG2 und ich bin mürbe. ALG2 ist sowieso ein Stigma - außer in der Kunstszene und für hoffnungsfrohe Kulturschaffende, weil die dir dann einen 1 EUR-Job bieten könnten. Ich habe nie so intensiv wie in den letzten Wochen erlebt, dass das freie Outing - und ich bin nunmal ein offener Mensch - als länger-als-2Monate-ALG2-Empfänger definitiv Menschen, die ich neu kennenlernen will, abstößt. Mich kotzt es an, dass mich das ankotzt.
Ich muß das jetzt einfach mal so hier hinausrufen. Das Schlimme ist ja, mit dem zielstrebigen Lebenslauf glaubt mir ja kein Schwein, dass ich jetzt "was anderes" machen wollen täte. Vor allem: WAS anderes? Die wenigen Optionen, die mich in der letzten Zeit soviel Mühe gekostet haben, bewegen sich auf ähnlichem Preisniveau, sofern man überhaupt über Geld spricht.
In der Zeitschrift "Junge Karriere" findet es sich im Leitartikel: "Und was verdient ihr?", auf Seite 142 unter dem Stichwort "Dumpinglöhne" schwarz auf weiß: "Kommen vor, sind aber kein Massenphänomen, sondern eher abonniert auf bestimmte Branchen. Grottig gezahlt wird bei Architekten Juristen und Werbeagenturen." Nun überrascht mich das für die Juristen sehr und zwingend muß ich auch nicht auf Dauer in eine Werbeagentur, das kommt halt auf das Betriebsklima drauf an. Aber ab wann ist es genug? Genug des erfolglosen Probierens und an der Zeit was GANZ ANDERES zu machen? Loszulassen?
Denn: loslassen ist ohnehin so verdammt schwierig und nochmal eine ganze Nummer schwerer, wenn du dich damit mental in ein absolut zielloses Nichts stürzen mußt.
Also - auf WAS umschulen? Umlernen und nochmal für ein Lehrgeld von 600 EUR im Monat neu laufen lernen? Na, wunderbar, dann kann ich mich doch gleich den Dumpinggeiern zum Fraß vorwerfen und mich auf die Anzeige oben bewerben, nicht wahr?
Ideenjongleur - 2. Okt, 16:37


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