Dee Kritik - oder eher der in weiten Teilen völlig fehlgeschlagene Versuch einer Kritik obwegen chronischer Begeisterung
Rauschender Applaus noch vor den ersten Klavierakkorden, dann wie auf Knopfdruck Stille. Dieser Mann mit dem Grinsen, in das man nicht gucken kann ohne selber zu grinsen, zugleich leidenschaftlich und bescheiden, leicht und konzentriert - bereitet den musikalischen Weg. Wieder rauschender Applaus, die Diseuse rauscht herein, und mit dem ersten Ton, diese zugleich safte und rauhe Stimme.
"Man lebt in einer großen Stadt
und ist doch so allein.
Der Mann, nach dem man Sehnsucht hat,
scheint noch nicht da zu sein.
Man kennt ihn nicht, und kennt ihn doch genau,
man hat nur Angst, daß er vorüber geht."
Selten hat mich ein erster Ton so umgehend und voll und ganz gepackt. (An dieser Stelle hier und dies schreibend fällt mir beim googlen dieser Textzeilen auf, dass ich dieses Lied von Lale Andersen ganz sicher schon gehört haben muss als ich kleiner als 3 Jahre war!)
Wenn Georgette Dee nunmehr endlich wieder zusammen mit Terry Truck auftritt, so ist es nahezu zwingend logisch ein Abend des sowohl, als auch. Der Melancholie und Elegie gar, und auch des Glückes. Der Liebe und des dazugehörigen -kummers, denn:
"Das Leid gehört ja nunmal so zum Wellness-Dasein und würde das Leben rund machen. So rund, da denkt man gar nicht drüber nach, so allein in seinem Schlafzimmer, zum Sterben bereit, Gustav Mahler auf Endlosschleife und man ist irgendwie schon fasziniert wieviel Sorten Grau es gibt. Und dann - uops - ist man gestorben und denkt: Ist ja gar nicht so schlimm!"
Aus der Nähe sieht sie je älter, je männlicher aus, smokey eyes, rote Lippen, große Hände, Herrenschuhe, "nee, das SIND keine Herrenschuhe" flirtet sie mit einem Zuschauer im ausverkauften Saal, denen sie ihre makellosen Beine unter dem schwarzen Samtkleid auf dem Klavier gepflegt hingefläzt wie rein zufällig präsentiert "das sind Schuhe für die Frau von Welt, die im Leben angekommen ist!" und man wird schonmal prophylaktisch neidisch und will mit Ende 50 AUCH solche Beine haben, ist doch egal ob Mann oder Frau, immerhin haben ja angeblich die nordamerikanischen Völker 8 Bezeichungen für Geschlechter. Sowieso sei sie ja mehr als nur zwei Personen. Weswegen sie zuerst in eine dieser Talkshows mit dem Thema "Zwei Seelen, ach in meiner Brust!" ein- und dann wieder ausgeladen wurde, als sie ihre innere Bühne präsentierte. " Ich bin ja mindestens zu 12, hab ich die Redakteurin dann mal aufgeklärt! Ich weiß ja wie das ist, wenn man sich nie entscheiden kann und die Konferenzschaltung mit sich nicht funktioniert."
Überhaupt Wörter und Sätze - sie biegt unvorhergesehen ab, mitten auf dem Weg zu einer Pointe, die dann doch keine wird, die man auch nicht vermisst ("huuuuch ??? - wo geht DAS denn nun wieder hin?") verfolgt wie ein arabischer Geschichtenerzähler dann eine andere Fährte, besudelt sich derweil mit Eiswasser im Whiskeyglas, ruft nach neuen Eiswürfeln, weil "wenn die Eiswürfel klingeln, dann weiß man ja wenigstens wie voll das Glas ist und dann passiert sowas nicht!" - sucht nach Wörtern, erfreut sich an spontan entdeckten Altertümchen wie "ja - manchmal fühlt man sich so zauderhaft" - ja, "überhaupt - ich hab der Dudenredaktion schon öfter mal gesagt, dass sie da so 8 Leerseiten dazuheften soll, ihr komplizierten Grammatikalen! Es gibt einfach IMMER noch mehr von dem gebrauchten Zeuchs, was man sich aussuchen kann, was einem besser passt." und weiter erzählt sie "Dann hat mich der Redakteur angeschrieben. (Pause) Wollte mich kennenlernen. (Lange Pause) Und hat mir Nacktfotos geschickt. - Das PASSIERT, wenn man zu lange in geschlossenen Räumen sitzt." und nimmt dann wieder die zuvor verlassene Geschichtenspur: "Ja, also zauderhaft. Das ist ja wie, wenn man sich so barock fühlt - und trotzdem ist man nur Biedermeier. Man ist dann HIER UND DA und zugleich im Ressumee und fragt sich , was einem die Hintereinanderfolge sagen wollte." Bieder ist das letzte was man bei den neckisch-deftigen Chansons denken mag und sie sei ja auch trotzdem manchmal "vertrackt - ja, verhakt gar - also, weil - verklemmt kann man ja nicht wirkich so sagen" und das Publikum, liegt es nicht gerade vor Lachen unter dem Stuhl, liegt ihr zu Füßen.
So charmant flirtet niemand mit der eigenen Melancholie und den eigenen Unzulänglichkeiten und nicht genommenen oder zu viel genommenen Abbiegungen des Lebens.
Dee-esk gesprochen würde ich sagen, zuschauend, miterlebend biegt so manches Tränchen plötzlich mitten auf dem Weg die Wange runter wieder zurück in den Schoß des Augenwinkels, vom augenblicklichen blitzgescheiten Gedanken magnetisch angezogen.
(wird noch ergänzt)
"Man lebt in einer großen Stadt
und ist doch so allein.
Der Mann, nach dem man Sehnsucht hat,
scheint noch nicht da zu sein.
Man kennt ihn nicht, und kennt ihn doch genau,
man hat nur Angst, daß er vorüber geht."
Selten hat mich ein erster Ton so umgehend und voll und ganz gepackt. (An dieser Stelle hier und dies schreibend fällt mir beim googlen dieser Textzeilen auf, dass ich dieses Lied von Lale Andersen ganz sicher schon gehört haben muss als ich kleiner als 3 Jahre war!)
Wenn Georgette Dee nunmehr endlich wieder zusammen mit Terry Truck auftritt, so ist es nahezu zwingend logisch ein Abend des sowohl, als auch. Der Melancholie und Elegie gar, und auch des Glückes. Der Liebe und des dazugehörigen -kummers, denn:
"Das Leid gehört ja nunmal so zum Wellness-Dasein und würde das Leben rund machen. So rund, da denkt man gar nicht drüber nach, so allein in seinem Schlafzimmer, zum Sterben bereit, Gustav Mahler auf Endlosschleife und man ist irgendwie schon fasziniert wieviel Sorten Grau es gibt. Und dann - uops - ist man gestorben und denkt: Ist ja gar nicht so schlimm!"
Aus der Nähe sieht sie je älter, je männlicher aus, smokey eyes, rote Lippen, große Hände, Herrenschuhe, "nee, das SIND keine Herrenschuhe" flirtet sie mit einem Zuschauer im ausverkauften Saal, denen sie ihre makellosen Beine unter dem schwarzen Samtkleid auf dem Klavier gepflegt hingefläzt wie rein zufällig präsentiert "das sind Schuhe für die Frau von Welt, die im Leben angekommen ist!" und man wird schonmal prophylaktisch neidisch und will mit Ende 50 AUCH solche Beine haben, ist doch egal ob Mann oder Frau, immerhin haben ja angeblich die nordamerikanischen Völker 8 Bezeichungen für Geschlechter. Sowieso sei sie ja mehr als nur zwei Personen. Weswegen sie zuerst in eine dieser Talkshows mit dem Thema "Zwei Seelen, ach in meiner Brust!" ein- und dann wieder ausgeladen wurde, als sie ihre innere Bühne präsentierte. " Ich bin ja mindestens zu 12, hab ich die Redakteurin dann mal aufgeklärt! Ich weiß ja wie das ist, wenn man sich nie entscheiden kann und die Konferenzschaltung mit sich nicht funktioniert."
Überhaupt Wörter und Sätze - sie biegt unvorhergesehen ab, mitten auf dem Weg zu einer Pointe, die dann doch keine wird, die man auch nicht vermisst ("huuuuch ??? - wo geht DAS denn nun wieder hin?") verfolgt wie ein arabischer Geschichtenerzähler dann eine andere Fährte, besudelt sich derweil mit Eiswasser im Whiskeyglas, ruft nach neuen Eiswürfeln, weil "wenn die Eiswürfel klingeln, dann weiß man ja wenigstens wie voll das Glas ist und dann passiert sowas nicht!" - sucht nach Wörtern, erfreut sich an spontan entdeckten Altertümchen wie "ja - manchmal fühlt man sich so zauderhaft" - ja, "überhaupt - ich hab der Dudenredaktion schon öfter mal gesagt, dass sie da so 8 Leerseiten dazuheften soll, ihr komplizierten Grammatikalen! Es gibt einfach IMMER noch mehr von dem gebrauchten Zeuchs, was man sich aussuchen kann, was einem besser passt." und weiter erzählt sie "Dann hat mich der Redakteur angeschrieben. (Pause) Wollte mich kennenlernen. (Lange Pause) Und hat mir Nacktfotos geschickt. - Das PASSIERT, wenn man zu lange in geschlossenen Räumen sitzt." und nimmt dann wieder die zuvor verlassene Geschichtenspur: "Ja, also zauderhaft. Das ist ja wie, wenn man sich so barock fühlt - und trotzdem ist man nur Biedermeier. Man ist dann HIER UND DA und zugleich im Ressumee und fragt sich , was einem die Hintereinanderfolge sagen wollte." Bieder ist das letzte was man bei den neckisch-deftigen Chansons denken mag und sie sei ja auch trotzdem manchmal "vertrackt - ja, verhakt gar - also, weil - verklemmt kann man ja nicht wirkich so sagen" und das Publikum, liegt es nicht gerade vor Lachen unter dem Stuhl, liegt ihr zu Füßen.
So charmant flirtet niemand mit der eigenen Melancholie und den eigenen Unzulänglichkeiten und nicht genommenen oder zu viel genommenen Abbiegungen des Lebens.
Dee-esk gesprochen würde ich sagen, zuschauend, miterlebend biegt so manches Tränchen plötzlich mitten auf dem Weg die Wange runter wieder zurück in den Schoß des Augenwinkels, vom augenblicklichen blitzgescheiten Gedanken magnetisch angezogen.
(wird noch ergänzt)
Ideenjongleur - 12. Dez, 11:34




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