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Männer aus dem Internet

Ja, ich habe mal wieder es versucht. Per Anzeige im Internet jemanden kennenzulernen. Oder mehrere. Einfach interessante Menschen. Ich bin längst weg von der Traumpartnercastingementalität die proportional zu den Castingshows im Fernsehen dort zu Tage tritt. Oder richtiger: Ich war noch nie DA. Ich glaube noch an die Kraft eloquenter Worte. Anscheinend bin ich die Einzige. Und wer sich nicht von meinen Worten angezogen fühlt, braucht auch nicht zu schreiben. Tun sie aber manchmal trotzdem.

Da wird meine Anspruchshaltung bekrittelt. Mein Sprachstil abwechselnd verurteilt, bekopfschüttelt und bejubelt. Ich arbeite immer noch dran mich in 350 erlaubten Zeichen adäquat darzustellen und bin jederzeit für Tipps offen. *g

Aber wie zum Teufel erkläre ich mir, dass ich von 5 Antworten - was eine ungewöhnlich magere Resonanz ist - ich mich mit dreien nach drei Mails unwiderruflich in die Haare kriege? Ich bin ein friedliebender Mensch, ich weiß um die hohe Mißverständlichkeit von Kommunikation ohne Gesten - und dennoch auch darüber kann man reden. Aber wenn auch DAS schiefgeht, weil in meine Fragen Dinge hereininterpretiert werden, die ich keineswegs so gemeint habe und man sich aus einer langen freundlichen Mail wie ein Geier DAS auspickt was einen offenbar negativ trifft, dann ist mir das einfach zu anstrengend. Da mag sich dahinter noch so ein netter und angenehmer Mensch verstecken, mir ist es die Mühe nicht wert. Wenn ich alleine um ein zwei freundliche Sätze mich durch ein Dickkicht an Müll kämpfen muss. Tja, sorry meine Herren.

Die zwei anderen? Einer ist erst mal "auf Malle" in Urlaub, schrieb er - der zweite antwortet schon gar nicht mehr.

Ertappe mich dabei wie meine Gedanken zu dem etwas davorliegend angeknüpften Hauptstädter wandern, dezent, aber deutlich. Lächele ein bischen und bin gespannt. Wie ich besonders sorgfältig das Mixtape mixtape was versprochen hin und herzusenden ist. Wie ich an jenem Wort hängenbleibe, diese Mail nochmal lese und jene. Mich dies oder das frage.

Wie mag er so sein.
In ECHT.

Sicher anders. Die sind immer anders. Aber bei dem wünschte ich er wäre ein bischen so - wie im Internet.
Und in echt. Eben leider auch gerade im Urlaub und nicht wirklich verfügbar. Logistisch. Zeitlich. Und urlaubstechnisch auf jeden Fall. "Ich wage eine Prognose" mailte ich einer Freundin - und es will schon was heissen, wenn ich einer Freundin von noch nicht persönlich bekannten Menschen erzähle. Wer wissen will wie die lautet kann ja fragen *lacht
fluechtig (Gast) - 8. Sep, 18:33

Ich würde es dir gönnen, dass er so ist, wie du denkst, dass er ist. Aber ich fürchte, dass er es nicht ist. Dass du dich irgendwann fragst, wo zum Teufel der Mensch geblieben ist, den du einst gekannt hast und wer zum Teufel da nun vor dir steht, wer das ist, dieser Unbekannte da vor dir.

Good luck. Aufrichtig.

Ideenjongleur - 8. Sep, 23:24

oh je - soweit mag ich noch gar nicht vordenken. :-) danke dennoch! - habe auch schon internetangeknüpfte Beziehungen hinter mir - und finde - ja wie find ich das - gar nicht mal so unspannend - es ist eben eine ANDERE Ebene - ob und wie die reale ist wird sich zeigen. muss mich ja nochn büschen gedulden. :-) - frohes Einleben übrigens - MEINE Küche ist heute fertig geworden - nach 6 Monaten immerhin *huestel ... tja, wenn man eben ALLES alleine machen muss und arbeiten, dann dauert das halt.
fluechtig (Gast) - 10. Sep, 10:10

Vielleicht ist der Mensch, der vor dir steht, gar nicht sooo anders, vielleicht ist es nur so beschissen einfach, sich in virtuellen Welt weit aus dem Fenster zu lehnen und Dinge zu tun und zu sagen, die man sich sonst einfach nicht traut. Und vielleicht ist mancher ganz erschrocken über sich selbst, dann, wenn die Grenzen fallen und Illusionen ihre reine Gedankenform verlassen. Vielleicht.

Danke. :)
Ich habe das mit dem Ziegelrot angesichts meines leeren Geldbeutels dann doch gelassen. Später vielleicht. Ansonsten habe ich die dritte Nacht gut herumgebracht. Sogar die Stille am Morgen war mir heute nicht mehr so ganz unangenehm.
Ideenjongleur - 11. Sep, 00:36

werte Fluechtig - das ist ein interessanter Aspekt, den ich lustigerweise gar nicht so konträr sehe wie andere. Im Gegenteil: so GANZ kann doch keiner aus seiner Haut. Und wenn die Online-Welt Dinge ermöglichst zu sagen, die man sich eben SONST NICHT traut, wie fein, dann hat man sie sich imemrhin schonmal online getraut und dann ist der Step in die Realität - oder das (was auch immer) in der Realität zu tun etwas näher gerückt. Soviel zum EIGENEN Maskenspiel. Ich empfinde die als kreativitäts- und persönlichkeitsfördernd, nur selten als Versteckspiel. Ich bin einfach gespannt. Da derjenige allerdings vorerst weit weg ist, sowieso und gerade ganz besonders, da verreist noch für ne ganze Weile, lasse ich das ganz entspannt und mit dem Quentchen Hibbeligkeit die mir Spaß macht mal auf mich zukommen.

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