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Letzter Akt: Schweigen

Ich bin mir keinerlei Schuld bewußt. Sicherlich ist es das, was dich so annervt. Es IST nunmal Sommer, zumindest meistens und wenn es dich so derart nervt, dass ich "soviel Platz einnehme" - diese Formulierung, die du immer und immer gebrauchst, wenn wir auf die Küchenbenutzung zu sprechen kommen - dann hast du eben die falsche Entscheidung getroffen, mich hier einziehen zu lassen.

Manns genug zu kündigen bist du auch nicht, denn du wollest ja niemandem "Steine in den Weg legen." (Aber am liebsten hättest du.) Und auch gestern mein Geschwalle hätte dich nur beim Kochen gestört und meinen Salat vom Samstag hättest du ja genauso entsorgen müssen wie vieles anderes meiner Lebensmittel voller Fruchtfliegen etc. Ich kann ja nun nichts dafür, dass du so gut wie nie kochst und Lebensmittel einkaufst. Dass es einfach möglich ist, dass Lebensmittel innerhalb von 12 h in denen ich nicht zuhause bin, gerade im Sommer, schlecht werden. Dass ich nicht jeden Tag - so wenn durchaus jeden zweiten und spätestens jeden dritten nachschaue im Kühlschrank. Und - dass ich es einfach NICHT einsehe, halbleere Kühlschranksfächer, die du so absolut selten benutzt, nicht zu benutzen. Dass du Bad und Küche so gut wie nie benutzt und dich nahezu unsichtbar machst in der Wohnung, als würdest du in einem Hotel leben ist nicht meine Art zu leben. Dass du von all dem beim Einzug nichts aber auch gar nichts kommentiert hast und das wo ich deutlich aussprach, dass meine persönliche Putz/Schmutzskala von 1-10 genau in der Mitte liegt und ich in WGs sowohl mal die Putzwütige als auch die Schlampe gewesen bin. Dass ich viele Sachen habe davor warnte ich auch schon vor. Mehrfach.

Ich habe eine grundsätzlich andere Vorstellung von einer Küche: sie ist mir Lebensmittelpunkt und Gebrauchsobjekt und genau deshalb besitze ich auch so "viele" Gerätschaften und wenn du dich über Elektrosmog von zuvielen Geräten wie einem Entsafter (den ich zweimal benutzt habe!) lustig machst und deinen Uralttoaster anwirfst, der sicherlich eine Menge mehr Strom produziert als alle meine modernen Geräte zusammen - sehe ich darüber hinweg. Ich bin gerne in unserer Küche und möchte sie nicht meiden müssen, wenn du da bist und mit deinem Schweigen einen kalten Krieg produzierst, ein kaltes Schweigen, das mir wehtut, einfach bloß wehtut.

Ich möchte mich nicht von unausgesprochenen Gesetzen leiten lassen, die alleine DU gebietest - noch dazu nur MIR gegenüber. Mein anderer Mitbewohner muß keine Kaution zahlen. Er muß keine Quittung über die überwiesene Telefonrechnung vorlegen. (Ja, ich gebe zu, ich habe sie einmal so spät gezahlt, dass eine Mahnung kam.) "Warum läßt du dir das gefallen?" bin ich nun shcon zweimal gefragt worden. "Um des lieben Friedens willen" sagte ich - weil ICH zeigen will, dass ich Entgegenkommen kann und will.

Ich war stolz darauf, dir das sagen zu können - dass dein eisiges Schweigen mich zutiefst verletzt - eben - einen kurzen Moment stolz - und ärgerte mich im Hinterkopf über meine Tränen, die dann doch leise den Weg suchten. "Es tut mir weh wie du mit mir umgehst" sagte ich - "Schweigen ist das Schlimmst was man mir antun kann - ich bin nicht so ein Unmensch, wie du glaubst - du hast die Meinung von mir weg" sagte ich nocheinmal auf deine Bemerkung hin, dass dich ja so vieles was ich tue so derart annervt, dass du nichts sagen KÖNNTEST oder einfach nichts gesagt hättest.

"Meine Meinung von dir beruht ja auf Tatsachen - die immer und immer wieder vorkommen" sagst du und dann etwas später das Härteste was ich seit langem über mich hören mußte: "Du bist halt für mich nunmal ne Type, die mich überhaupt nicht interessiert - weder von deiner Art her noch was du machst, wie du dich gibts und redest und da nutzt es auch nix, wenn du " und da nanntest du einen Autorennamen, ich schätze aus der Eso-Ecke, den ich noch nie gehört habe - "liest". Immerhin hast du offenbar meinen Brief überflogen, wo ich schrieb, "dass wir offenbar doch ein paar Gemeinsamkeiten haben, weil ich mal ein Buch von Byron Katie von dir im Bad gesehen hab." Dass es sie war, daran konntest auch du dich offenbar schon nicht mehr erinnern, so uninteressiert bist du also.

"Weißt du, ich fühle mich manchmal hier sehr einsam - ich bin ja auch noch recht neu hier" setze ich an und du unterbrichst mich "Aber ich bin nicht deine Bezugsperson!" setzt du deiner Eiseskälte noch eins drauf. Ich komme ins Stottern, Schlucken und versuche zu erklären, was das umgekehrt macht - dass sich niemand auch für DICH interessieren wird, wenn du mal krank oder tot in deinem Zimmer liegst, verhederre mich, wenn ich in dein hartes, verwachsenes Gesicht starre, dass ich eigentlich noch nie mochte - wie mir jetzt erst auffällt. Du kapierst nicht was ich sagen will - ich breche ab -

Es ist doch krank von mir von solchen gefühlskalten verhärmten Typen gemocht werden zu wollen - so sehr daß ich so blöd bin mich zu entblößen, emotional - wie jetzt! Warum tue ich das?
"Vielleicht hast du es ja schon mitgekriegt" sage ich und reite mich nur noch tiefer rein und setze mich zusätzlich damit selber unter Druck, nun Butter bei die Fische machen zu müssen - "ich suche bereits eine neue Wohnung".
"Gut" sagst du und bleibst stehen während ich dein Geschirr abtrockne. Sagst nichts mehr, schaust mir zu. Am liebsten würde ich jetzt richtig losheulen. Mir liegt auf der Zunge zu rufen: "Ich brauche beim heulen keine Zuschauer!!!"
Schweige.

"Danke fürs Abtrocknen. Und: gute Nacht" sagst du und gehst raus.
Ich kann nichts sagen. Es ist alles gesagt.
Hauswurst - 4. Aug, 22:52

Das Begehren ist immer das Begehren des Anderen...

Ideenjongleur - 5. Aug, 10:33

Quotorhoe

Werter Hauswurst - ich gehörte auch einmal zu der Sorte, die versuchten das Leben in Zitate zu fassen - bis mir zweierlei klar wurde - selten ist es tatsächlich so einfach, dass man als Außenstehender tatsächlich mit einem Satz die Situation erfassen könnte - und es hat dadurch bedingt - etwas Vermessenes an sich, manifestiert ein Statusgefälle, was den Betroffenen sich oft noch viel schlechter fühlen läßt.
Auch wenn ich mit deinem Satz nichts anfangen kann, danke ich für die Gedanken, die du dir offenbar gemacht hast.

Hauswurst - 5. Aug, 17:06

Ich müßte sehr irren, wenn ich glauben sollte, daß Du mit diesem Satz wirklich nichts anfangen kannst. Jedenfalls lag mir fern, Dir zunahe zu treten. Während DU eine bestimmte Situation vor Augen hast, ging es mir eher um die Struktur, die dieser Situation zugrundeliegt.

Wie Du empfindest, weißt ich nämlich ziemlich genau.
Ideenjongleur - 6. Aug, 22:22

Woher, wo wir uns nicht kennen?

Genausowenig wie dieses Schreiben in meinem Blog ICH bin, so sind deine Empfindungen meine. Ausschnitte können durchaus den Anschein erwecken deckungsgleich zu sein - und als Konstruktivistin bin ich der Ansicht niemals genau zu wissen wie irgendjemand sonst fühlt. Eine Übereinstimmung ist entweder eingebildet - mit allen möglichen positiven wie negativen Konsequenzen - oder jahrelang in enger Partnerschaft entwickelt. Es wirft mich zurück auf die Frage: was will ich mit diesem Blog, die jedoch an anderer Stelle erörtert werden möchte.

Inhaltlich zu deinem Satz:
"Das Begehren ist immer das Begehren des Anderen ..."

- ja, in der Basis sagt Byron Katie in "The Work" das Gleiche mit ihrem "Umkehrsatz" (meinst du das damit, dass ich damit was anfangen können müßte?) Sicherlich glaube ich an das Gegenüber als Spiegel - doch in diesem Fall - ICH begehre Kommunikation - und ER so offensichtlich NICHT, dass der Satz in diesem Kontext einfach nicht zutrifft. Hier treffen so deulich zwei konträre Begehren Aufeinander, dass so ein Satz mich eher aufregt als erbaut - vor allem im schon erwähnten Kontext der Vermessenheit. Mein Ex war ein Meister darin - und wenn deine Denk- und Kommunikationsweise dem ähnelt habe ich eine deutliche Ahnung was jetzt für ein Kommentar folgt ....

Hauswurst - 7. Aug, 17:54

Ich denke nicht, daß ich unter diesen Umständen irgendetwas erwidern muß.
Ideenjongleur - 8. Aug, 11:22

Ich gebs ja zu ...

*lach - ist ja auch gemein den Spieß umzudrehen, gell? Und doch hätt ich nicht gedacht, dass du so schnell die Flinte ins Korn wirfst und beiseite trittst. *schmunzel

Hauswurst - 8. Aug, 21:20

Du hast weder einen Spieß umgedreht noch im Grunde verstanden, was ich Dir zu sagen versucht hsbe. Absatz Eins und Zwei von Dir konstruieren (oder betonieren) nur einen Widerspruch, der sich selbst behindert.

Für eine so intelligente Frau eine ziemlich dümmliche Reaktion. *Schwarz auf Weiß* - Wenn's denn unbedingt sein soll.
Ideenjongleur - 9. Aug, 13:53

Wie einfach ist es

das Gegenüber als "dümmlich" zu verurteilen, wenn man nicht so verstanden wird, wie man es beabsichtigte - anstatt einen zweiten Anlauf zu nehmen und sich zu erklären.

Doch das, das fehlt mir bis jetzt immer noch. "Ich kann mit deinem Satz nichts anfangen" schrieb ich schon zu anfang und anstatt zu erklären wie DU es meinst (denn meine eine Erklärung "Er will keine Kommunikation und ich sehr wohl" traf - so kann ich allerdings auch nur vermuten - nicht das, was du beabsichtigtest zu sagen), reitest du auf meinem Nichtwissen herum.

Desweiteren hatte ich sehr wohl beabsichtigt, deinen Spieß des "Ich WEISS SEHR WOHL was du fühlst" umzudrehen in ein implizites "Ich ahne sehr wohl, was du antworten wirst" und damit - ich gab es ja ganz freimütig-relativierend - als rethorisch-ironische Finte zu - eine wohlüberlegte Antwort herauszufordern, gar zu provozieren.

Oft ist es nicht das Gerät, was schlecht konstruiert ist; zuweilen sind es kryptische Bedienungsanleitungen. Und wenn mir dann noch die Verbraucher-Hotline ein "Dann sind Sie bloß blöd!" um die Ohren schallt, braucht sich niemand zu wundern, wenn das Image des Geräteherstellers schwindelerregende Abwärtskurven einzuschlagen beginnt.
freieslieben - 12. Aug, 11:42

Autsch. Erst Stress in der Bude, und jetzt noch eine unleidlich gelaufene Diskussion in den Kommentaren... ich persönlich verstehe letztere nicht, verstehe aber erstere umso besser.
Darum 2 Dinge: Erstens mein aufrichtig empfundenes Mitgefühl. Es gibt kaum was Schlimmeres, als keine Basis zu haben, Unbehagen beim zuhause zu empfinden. Zweitens meinen Rat: Ich bin ausgezogen, und habe in der neuen WG die schönsten 9 Monate meiner Wohnkarriere verbracht. Mich hielt nur die Unsicherheit, weil ich das Elend ja gut kannte und die Möglichkeiten nicht. Aber ich war immer froh, ausgezogen zu sein.

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