erstmalig

Donnerstag, 5. Januar 2006

Geheime Orte

Soeben von einem Treffen mit einem Internetbekannten zurückgekommen.
Er entführte mich - und das ohne dass ich ihm von meinem Faible für Orte an die man normalerweise nicht hindarf, was erst mal eine menge Pluspunkte gab - erzählt habe - hier hin.

Der Himmelssaal in der Böttcherstrasse ist nicht nur wegen seines namensgebenden Tonnengewölbe Himmels aus sattblauen, unterbrochen von hell durchscheinenden Glasbausteinen ein Lichterlebnis ganz besonderer Art ein physisches Erlebnis, sondern in seiner extrem sakral-spirituell übergreifenden und modernen Architektur, deren Glasbausteine fast wie digitale Pixel wirken körperlich erlebbare Architektur. Digitale Muster, entworfen in den 30er Jahren! Zugleich Saal und Kapelle. Zu gut vorstellbar wie hier tatsächlich in den 30ern Frauen Ausdruckstanz trainiert haben.

Ganz besonders spannend die Türen, die einfach so zu öffnen sind, weil das Besichtigen dieses Saales noch ein echter Insidertipp ist. Noch beeindruckender die Teakholzwendeltreppe nach oben zu gehen in einen weiteren kleinen, runden, kappellenartigen Raum mit Blick über den Saal und einen rießigen Gong der absolut symmetrisch in der Flucht zu den Kreuzmustern am anderen Saalende von der Decke hängt. Und dort, in jener Kapelle, an einer einzigen Stelle ein akkustisches Phänomen zu erleben, dass mir niemand erklären konnte. Ein völlig seltsames Gefühl, seine eigene Stimme dort zeitversetzt zu hören in einem Hall und Duktus, ein paar Grade heller, eine Nuance luftiger, wie du sie sonst nur via Lautsprecher hören kannst. Mit dir selbst als Resonanzkörper, spürbar. Es gab tatsächlich keinerlei technischen Hilfsgeräte in diesem Raum! Nur Glasbausteine, sternenförmig, Kuppel und klare, gerade Muster, die zugleich kühl und kosend den Raum füllten.

Beeindruckend.

Sehr interessant auch unsere Unterhaltung danach.
Leider gehören nikotingelbe Fingerbesitzer und Kettenraucher, die sich ausführlich mit Drogen beschäftigen höchstens in die Kategorie "interessant", nicht erotisch.

Dennoch ein schöner Tag mit einem erfolgreichen Vorstellungsgespräch für einen Nebenjob, den ich ab nächste Woche antreten werde.

Sonntag, 21. März 2004

Performance Lecture ab 18

Unter einer "performance lecture" konnte ich mir bis gestern wenig vorstellen. Doch was ich dann sah traf genau diesen Begriff aufs beste. Daß diese dann "ab 18" war wurde an den Bildprojektionen klar, die nicht gerade geschmackvoll bei Fußbilz (links) und Atompilz (rechts) begannen, in der Mitte das live mit einem Bohrer durchbohrte Modell eines Hauses in FisherPrice Größe, mit live Kamera projeziert hinter den Vortragenden in der Mitte. Dieser sprach von Körpern und Körperöffnungen, beschwor Verbindungen zwischen Geschwindigkeit und Durchlässigkeit, zwischen Europa und wiederum Öffnunen in Form von Löchern.

Ein nachdenkenswertes äußerst intellektuelles Zitatejonglieren zwischen Vilem Flusser, Lacan, Peter Weibel und all den anderen, die man kennen muß. Eine Vorlesung wie sie hätte auch in meinem ehemaligen Fachbereich stattfinden können, zumindst deren erster Teil.

Als er dann sich seiner Kleider entledigte und zu langsamer elektronischer musikalischer Endlosschleife seine verborgene zweite Haut entpackte war es ein seltsam schöner Anblick: ganz in blau ein angemalter Bodystocking. Die noch freien Hautflächen bestrich er sich langsam in der Folge mit einem Schwamm und bekleidete sich so wieder komplett mit Farbe. Ein sehr sinnlicher Akt.

Was dann folgte bewog zwei Menschen zum Rausgehen. Vorher bereits gezeigte Diaprojektionen rechts und links haben es ahnen lassen: dieser Performancekünstler ist in Piercing/SM-Kreisen zuhause, so zeigte er Bilder eines Rituals bei dem zwei Menschen mittels vorher in ihrer Haut befestigten Haken aneinandergekettet aufgehängt werden. Exakt die gleichen Bilder die ich schon bei einem Vortrag während der Profile Intermedia gesehen habe, dort sogar als bewegter Film.
Er zog sich nun vor aller Augen live zwölf silberne Sternnadeln durch seine Brust. Der Europastern. Die Art und Weise wie er es tat, beinahe meditativ ließ mich recht fragend zuschauen, was daran so schrecklich sei, daß dabei jemand rausgehen müsse. Sicherlich etwas, was ich persönlich nicht ausprobieren möchte. Gleichzeitig fragte ich mich: bin ich schon so abgestumpft, daß mich dieser persönliche Akt überhaupt nicht mehr berührt? Warum spüre ich dabei kein bischen Herzklopfen?

Interessiert schaue ich weiter zu. Ein Knall durchbricht unmotiviert die Stille. Mir (und anderen) entfährt ein Laut des Erschreckens) - nur ein kleines Feuerwerk. Dann klettert er auf zwei Podeste, nur ein paar Quadratzentimer für Knie und Hände, in Hundestellung führt er eine Tischrakete in seine hintere Körperöffnung und nimmt eine weitere in den Mund. Die wenigen Zuschauer lachen. Eine Helferin, die zuvor Texte mit schöner Stimme, leider mit ein paar Stottern gelesen hatte, entzündet beide Feuerwerke. Eine Kamera unter dem Oberkörper projiziert die zwölf leuchtenden Sterne in seinem Oberkörper auf die Wand.

Mit den letzten sanften Feuerregen wie einer Wunderkerze geht auch die Musik zu Ende, das Licht aus.

Zögerlicher Applaus. Er betritt die Bühne, nun mit einem Handtuch um die Hüften. Dabei trägt er immer noch blaue Farbe und die 12 Sterne. Applaus zu empfangen scheint ein privaterer Akt als sich in einer Performance zu zeigen.

Montag, 1. März 2004

Morgen gehts los

Nachdem der Umzug vorgestern, der halbe (die anderen Sachen folgen, wenn ich meine endgültige Bleibe gefunden habe) von meiner Seite aus trotz doppelt so langer Fahrt wegen des Schneesturms recht easy verlief gab es ...

dann gestern: Anruf um die vermutete Uhrzeit wo der Umzugswagen, gefahren von meinem Vater, wieder dort abgeliefert werden sollte wo er herkam:
"Ach scheiße - ich hab das Auto geknallt!"
"Waaaaaas? Du???"
"Nicht nur den Sprinter - äm ... also als ich endlich auf dem Parkplatz war wollte ich ihn besonders ordentlich abstellen und dachte mir, och den dreh ich jetzt noch gerade. Und dabei schrammte ich einen anderen dort geparkten Wagen."
"Shit."
"Und dann, dann war ich so hibbelig, dann wollte ich direkt Richtung Werkstatt fahren da kurz neben dem Eingang, wo noch Licht war und ich fuhr dann auf das Licht zu und plötzlich knallte es nochmal! Da hab ich dann noch nicht gesehen, daß da so ein Torbogen ist, und der war niedriger als der Überbau des Sprinters. Jetzt ist da eine fieße Macke auch noch oben. UND an der Seite hinten!!! Das wird teuer! Fies teuer!"

Zum ersten Mal in meinem Leben muße ICH meinen Vater beruhigen, sehr seltsam. Ich dachte daran, wäre mir das passiert, er sicherlich recht anders reagiert hätte. Ich dachte an diverse von mir verursachte wesentlich kleinere Unglücklichkeiten und es wäre kein bischen daran zu denken, was passiert wäre, hätte ich auch nur sein Auto angetickt irgendwo.

Nun, es war - Glück hin oder her - nicht sein Auto und er hatte ohnehin noch eine Zwischenstation in meiner alten Wohnung vor sich. Dann einige Minuten später, ich entspanne mich und meine geschundenen Hände gerade in der Badewanne als es dreimal hintereinander klingelt. Wenn ich bade bade ich, aber wenn es dreimal hintereinander klingelt, kann es nur wichtig sein. Bitte jetzt kein Unfall!

Wieder mein Vater:
"Ein Unglück kommt selten allein..."
Ich schlucke kurz - aber immerhin kann er sprechen und anrufen und er klingt definitiv gesund. "Was ist???"
"Äm ... hast du oder irgendjemand noch einen Ersatzschlüssel???"
"Och nein!!!"
"Doch. Ich hab mich ausgesperrt."
"aaaaaaaaaaaah - ... da kann ich dir leider nur den Schlüsseldienst empfehlen ..."

Montag, 23. Februar 2004

so sollen Abschiede sein

Ich hoffe ihr verzeiht mir das - mir gelingen Abschiede besser mit Grund statt einfach so. Und wenn ich ihn suchen muß. Obwohl ich es nicht will. Bin betrunken, verzeiht.

Samstag, 17. Januar 2004

An Karneval

werde ich einen Kopfschmuck mit austauschbaren Gedankenblasen tragen.
Ich werde es wohl nicht schaffen mir bis dahin einen Anzug zu schneidern mit digitaler Laufschrift, auf die mir jeder SMSe schicken kann, einfach nur aus Spaß.

Dienstag, 13. Januar 2004

heute erstmalig erfahren

was meine Wohnung tatsächlich kostet und wieviel sich mein Hauptmieter durch die Untervermietung an mir bereichert und ganz schön schockiert gewesen. Nun, ich hab ja zugestimmt, sie ist immer noch sehr günstig und ich werde wohl Ende diesen Monats ohnehin wieder in "meine" Wohnung erstmal wieder zurückziehen.

Montag, 12. Januar 2004

Heute zum ersten Mal: Telefoniert

im neuen Job und festgestellt, daß ich jeden neuen Jobjob so anfange als wüßte ich, daß ich es mit links schaffen werde schon am ersten Tag vieles gut und ganz und rund laufen wird, was ich tue. Nicht aus einer Arroganz heraus, mehr aus der Überzeugung so gut geschult und vorbereitet zu sein, dass mir alles so vertraut erscheint. Sicher ist vieles neu - unsägliche Spezialmenüs im neuen Programm, dem man die Entstehungszeit vor Erfindung des Wortes "Usability" ansieht - und doch fühle ich mich in der Basis mal wieder unterfordert, denn ich habe nicht den geringsten Zweifel, daß ich diesen Job an sich gut über die Bühne bringen werde. Begrenztes Tätigkeitsfeld. Das was ich noch nicht kann, kann ich lernen. Und neues zu entdecken und das vor allem an die wirklichen Entscheider durchbringen zu können, dazu braucht es sicherlich etliche Monate, wenn nicht ein, zwei Jahre in einem so durchorganisierten Unternehmen mit deutschlandweiten Zweigstellen.
Nur an das frühe Aufstehen, daran muß ich mich noch gewöhnen.

Sonntag, 11. Januar 2004

letzte Woche zum ersten Mal ferngesehen

bis mir schwindlig wurde. Ja, genau, bis mein Magen sich rechts und die Bettdecke, hätte sie ein Streifenmuster gehabt sich strudelig links drehte. Mir scheint in den zweieinhalb Jahren wo ich wegs nicht vorhandenem Fernsehempfang nur noch auf Video aufgezeichnete Spielfilme und Dokus geschaut habe ist auch der Bildschnitt schneller geworden, hektischer. Menschen scheinen ihre Geschichten nur noch komprimiert zu erleben.

Was war zuerst da: die Menschen in den Fußgängerzonen, die immer hektischer und schneller werden oder die abgehackten Cuts in den Videoclips? Sind Fernsehbilder Vor-Bilder oder Menschen Vor-Bildner?

Sonntag, 4. Januar 2004

Heute zum ersten Mal: Sushi

Sushiselbstgemacht.
Man beachte die stetige Entwicklung.

Ach. wäre doch alles mit einer derartigen Steierungsrate innerhalb einer Stunde zu lernen.

Samstag, 3. Januar 2004

Heute zum ersten Mal

rein ins Mc Donald's gestürmt, die hintere Silbertür aufgesucht, you know, dort keinen Toilettenmann vorgefunden, der einen darauf hinweisen könnte doch einige cents in den weißen Teller mit Sprung zu werfen.

Auf dem Rückweg ein pantomimisches Zuprosten aufgefangen von einem schnautzbärtigen Gast und ein Grinsen dazu. Meine Hand errötet. Darin ein pappener plastikbedeckelter Becher. Darauf steht: "Burger King". Schnellen Schrittes, den Becher in Deckung suche ich den Ausgang auf.

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Hellmut Lützner
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