sehen

Sonntag, 20. Mai 2007

In die Fußstapfen von Kresniks "Die letzten Tage der Menschheit" treten

Was Johann Kresnik mit "Die letzten Tage der Menschheit" im Bunker Valentin bereits vor Jahren aufs eindrücklichste gelungen ist, da kündigt Gregor Seyffert offenbar vergleichbares an:

Marquis de Sade in der Kraftwerkruine Vockerode.

Sollte ich das Stück nicht sehen können - ich wüßte jedenfalls schon wen in der Nähe den ich besuchen und begeistern könnte dazu - so will ich unbedingt dortselbigst fotografieren!

Insbesondere in der Galerie sei auf das wunderbar-seltsame Foto der Schaltzentrale hingewiesen.

Bei der Gelegenheit - Ferropolis ist da auch nicht weit ...

Mittwoch, 27. September 2006

Das Destillat des Gutmärchens

Der kleine Prinz ist eine romantische Parabel, gespickt mit Philosophie und einer Prise Ethik, die schlecht zu rezensieren nur misanthropischen Zuschauern erlaubt zu sein scheint.

Nun, nennen wir es vielleicht meinen misanthropischen Tag, präziser: misantrophischen Abend, denn der Rest davor war vor allem wegen meines Heimatgefühls und einer Gewissheit auch ältere Gesprächsfäden wieder aufheben zu können, ganz so als seien zwischen den Begegnungen keine zwei Jahre sondern höchstens zwei Monate vergangen, sehr erbaulich.

Seit der täglichen Verfügbarkeit also von erhöhter Dosis von Flachmoral scheint eine kollektive Sehnsucht nach romantisierender Moral zu grassieren. Wenn diese dann auch noch klassisch verpackt ist, wohnt man ihr gerne bei. Trägt schwelgend Erinnerungen an Anti-AKW-bewegten Zeiten vor sich her und die Pärchen im Publikum herzen sich in Strickpulli und offensichtlicher Remineszenz an die Pfadfinder-Gruppe, der sie dereinst angehörten. Tee wird zwar selten gereicht, man bleibt beim Kölsch, ansonsten wenig Überrschungen. Wer wollte das auch übelnehmen, die literarische Vorlage von Antoine de Saint Exupéry rangiert beim zahlenden Publikum vermutlich gleich hinter der Bibel.

Großartig sind die Schauspieler, die wirklich nichts dafür können in der leider sehr holprig daherkommenden Bühnenfassung ohne jegliche Spannung daherkommen zu müssen. Nun mag die Vorlage auch meilenweit von einem Thriller entfernt sein, so folgt sie allemale einer Heldenreisen-Dramaturgie. In dieser Inszenierung leider eher eine Perlenkette. Eine Reihung von Szenen in gestelzter, deutlich verschrifteter Sprache, die nur die wirklich großartigen Schauspieler (Bruno Ganz, Armin Rhode und einige andere bekannte Größen) in Leinwandeinspielungen bewältigen. Überhaupt: die Einspielungen, in denen die Planetenbewohner, die in der Wüste des Kleinen Prinzen vorbeiziehen mit dem Gestrandeten interagieren sind getimt, dass es eine Freude ist. Obendrein konsequent und liebevoll ausgestattet. In diesen Szenen, die mit der medialen Distanz die Künstlichkeit der Sprache betonen, gelingt eine echte Brücke vom Text zur Inszenierung. Der Zuschauer findet Authentizität in der märchenhaften Künstlichkeit und erlebt stimmige Szenen. Im übrigen kongenial unterstützt von teils eingespielter, teils Live-Musik. Die echte Interaktion mit dem Piloten hingegen bleibt trotz seiner physischen Anwesenheit beziehungslos und blutleer, ohne sicht- und spürbare Entwicklung. Das Spiel wiederum mit den Figuren ist ebenso lebendig wie faszinierend und der Kunstfertigkeit der Puppenspielerinnen zu verdanken. Wenn auch der Fuchs eher aussieht wie eine Kreuzung eines Promenademischlings mit einem alternden Löwen, so gewinnt das Stück an Qualität durch schlängelnde Schlangenbewegungen und den immer wieder hervorblitzenden Witz auch der Geier, die in eigenen Zungen reden. Die resolute Frechheit in der Anlage der Figur des Kleinen Prinzen weicht die zuckerwattige Süße und Weichheit der Vorlage etwas auf. Leider nicht konsequent genug.
Insgesamt: zu romantisch, möchte man heute sagen.
Ich liebe Süßkram, ohne Frage. Doch muß da immer noch ein Schlag Sahne mit oben drauf?

Dienstag, 20. Juni 2006

CDs kaufen nach dem Cover

Schon lange nicht mehr gemacht. Und festgestellt, dass ich mich das ruhig mal wieder trauen könnte.

Die da höre ich seit sie mich eine dreiviertelstunde an einen Berliner CD-Laden gefesselt haben: "The Standard": "Albatross" heißt das grandiose Album.

The Standard Albatross

Und die gleiche verschrobene Ästhetik, verschwurbelt-romantische und mit einer ahnbaren Tiefe versehenen Romantik inclusive Absturzgefahr in Untiefen findet sich hier bei:

Midlake

Ich liebe Coverdesigner, die die Musik so genau verstehen.
Und wenn ich nicht fast jedesmal, wenn ich schrub "später mehr" es nicht eingelöst habe, lasse ich vorerst diese holen Versprechungen. In der Hoffnung, dass sie es gerade dadurch nun nicht werden.

Und genieße lieber die Musik.

Ist das jetzt hören oder sehen?

Freitag, 21. April 2006

Ist Widerstand anachronistisch?

Zunächst: An welches Plattencover erinnert dieses Plakat?

plakat_k

Mehr zum gestern gesehenen Film mit anschließender Diskussion mit den Filmemachern Dirk Szuszies später.

Donnerstag, 4. März 2004

Warum es wichtig ist seine Kinopartner bewußt auszuwählen

Dieses spezielle Kino-Gefühl, einen Film mit ästhetischen, ansprechenden, erotischen Szenen zu schauen und sich seiner Begleitung bewußt sein. Nur der rechte Nachbar zählt. Der andere ist unrelevant, auch wenn er einem den Eintritt bezahlt hat. Der seltenere Fall, zumeist wenn laut Vorankündigung nicht von derlei Szenen berichtet wird.

Dieses spezielle Kino-Gefühl, einen Film mit ästhetischen, ansprechenden, erotischen Szenen zu schauen und sich seiner Begleitung bewußt sein. Nur der linke Nachbar zählt. Zu wissen wie es sein könnte nährt Mögliches aus Vergangenem. Die Relaxtheit diese spezielle Verlegenheit nicht zu erleben, weil gemeinsam erlebtes, weil das Wissen darum wie es war, nicht gestört wird von den Gedanken wie es sein könnte.

Dieses spezielle Kino-Gefühl, einen Film mit ästhetischen, ansprechenden, erotischen Szenen zu schauen und sich seiner Begleitung bewußt sein. Nur der linke Nachbar zählt. Zu wissen wie es sein könnte nährt Mögliches aus Phantastischem. Jeden Zentimeter Abstand zwischen den Händen auf der Armlehne zu spüren, die Finger bewegen und ahnen, die Hand daneben wisse auch wie es sein könnte. Die wolkige Ahnung, die

Donnerstag, 12. Februar 2004

Den Blick wieder focussieren

Nichts ist mehr selbstverständlich.

Philo

Donnerstag, 5. Februar 2004

"Ristorante Immortale" habe ich geliebt

und als bisher einziges Theaterstück sogar dreimal gesehen.

Endlich gibts was Neues von den Flözens. Und wenn ich dafür nach Berlin gehen muß.

Hier.

TheatroIllusio

Montag, 19. Januar 2004

da zwingts mich hinzugehn

http://www.theaterzwang.de/

Freitag, 2. Januar 2004

Da will ich hin im Januar

ab 22.01.2004 ZÉ - HEILUNG IN DEN UNSICHTBAREN WELTEN - Ein Film von Kamal Musale und Sebastian Elsaesser

Dienstag, 30. Dezember 2003

Platonov, Schauspiel Köln

Ja, der Hauptdarsteller sieht verdammt hübsch aus. Beweglich, sensibel und doch nicht verweichlicht, sportlich und doch nicht muskelbepackt. Diese Aussage als vorerst aussagekraeftigste ueber das Stueck als solches stehen lassen. Vielleicht noch das Buehnenbild loben, ein zusammengewuerfeltes Sammelsurium des Lebens als ob eine Seele ein Antiquitaetenladen sei, dabei die bedeutungsschwangere Symbolik hoffentlich nie Peinlichkeit gebaeren lassen. Oh Weh - An dieser Grenze zuweilen haarscharf vorbeigeschrammt. Die Spielzeugeisenbahn, die beinahe eine weitere todessehnsuechtige Hauptdarstellerin samt nackter Babypuppe mit grotesk verdrehtem Kopf ueberfaehrt, weil sie sich emotionslos rezitierend auf die viel zu schmalen Schienen kauert. Die redundante Nacktheit, sicherlich - selten leider - mutig zuweilen, hauptsaechlich ueberfluessig, da bereits im Text angelegt und nicht gehoben, nur illustriert. Ein obwohl betagter Text doch tagesaktuell im Zeitalter der Tugend der Orientierungslosigkeit. Interesse wecken gelang dem Hauptcharakter - Michael Platonov - richtig, es war ein Stueck von Tschechov - ein Schmetterling der nichts fuer seine anziehende Huelle kann, der sich tragen laesst von Bluete zu Bluete. Dessen Anziehungskraft neben der Huelle zunaechst seine Leichtigkeit ist, die zunehmend in ein Leiden unter sich selbst wechselt. Dieser Wandel auch leider nur im Text hörbar und das in den ersten 15 Minuten auch selbst in der siebten Reihe nicht konstant.

Die Seele ueber den Koerper finden. Ein choreographisch realisiertes Konzept was eben in jenen nahezu tanztheaterhaften Szenen Staerken hat. Doch muss dazu der Autor in persona im halbbuehnenhohen Himmel in sichelfoermiger Rampe gottgleich auf seine erschaffenen Schaefchen herunterblicken und wenn die Zeit vergeht sich die Haare grau einspruehen? Wuerde dazu keine Musik ertoenen waere es als reines Sprechtheater eine Unterstellung an die Minderintelligenz der Zuschauer. Einige verliessen die Vorstellung vor Ende. Achtung, es stirbt jetzt jemand - und der zuvor erschossene wird an einem Fangseil in den Himmel heim zum Autoren gezogen. Mit zuvielen Ausrufezeichen inszeniert faengt die Choreographie Blicke gerade in kleinen absurden Momenten, die eben nicht gradlinig interpretierbar erscheinen wie die schwierige Zubereitung einer Tasse Tee, auf dem Boden stehend, den Teebeutel an einem koerperlangen Faden erst ausbalancierend.

Doch: Mit Tanztheaterzuschaueraugen gewann vor allem die Erkenntnis und das Anerkennen der Leistung wie Emotionen rein durch koerperliche Darstellung eben genau von aussen nach innen sichtbar gemacht werden koennen. Leider nur sichtbar, spuerbar jedoch in nur sehr vereinzelten Momenten. Momente in denen auf Kontrast gesetzt wird: starke Emotionen und Auseinandersetzungen der sich stets ueber Kreuz Liebenden in Minuten groesster Naehe, die choreographisch und still in groesstmoeglicher Entfernung - er rechts, sie links am Buehnenrand platziert ueber ein Mikrophon zur Sprache kommen.

Emotionslos fast absurd plakativ die Schlusszene, der Tod Michaels wie er sich theaterblutgetraenkte Tuetchen ueber dem nackten Oberkoerper in dekorativen Rinnsaelen verteilt. Gestorben wurde hier viel wie in derlei klassischen Dramen ueblich. Der Gespraechsstoff erstarb jedoch sicherlich nicht nach dem - in Anbetracht der wenigen Zuschauer - akzeptablen Applaus.



---
Genau wie Buchcharaktere um so fesselnder sind je mehr sie mit dem eigenen Leben zu tun haben (oder eben in voelligem Gegensatz ganz fremd sind und die Sehnsucht nach unitegrierten Teilen beinhalten) folgte ich zuweilen schmunzelnd und fasziniert den Aussagen Michael Platonovs - sein unschuldiges Schmetterlingsgebaren, der naive Egoismus einfach nur gluecklich zu leben, den man nur durch die Verbindung mit eben jener jugendlichen Naivitaet alles verzeiht. Ein Typ, der doch nichts dafuer kann, wenn er nicht nur zwischen Frauen und Freundschaften hin und herflattert, sondern so auf sein Glueck bedacht sich selbst dabei paradoxerweise fast vergisst, dass er nur durch die Spur an Leiden an der Liebe anderer im Bezug auf sich erst wieder dort ankommen koennte wo es von Anfang an hinzieht: bei sich selbst. Ob André, der genauso Schmetterling war und sich selbst sogar diese Vokabel waehlte, das inzwischen verinnerlicht hat werde ich wohl nie erfahren. Schade eigentlich. Und doch verfolge ich immer wieder laechelnd erstaunt dass er so einmalig wie ich damals dachte gar nicht hat sein koennen haette Tschechov ihn nicht schon viele viele Jahre zuvor beschrieben.

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